Vor 54 Jahren: Borussia Dortmund erster deutscher Europapokalsieger

von Jean-Pascal Ostermeier | sid09:14 Uhr | 05.05.2020
1966 gewann der BVB den Europapokal der Pokalsieger
Foto: firo Sportphoto/SID

Manchmal fällt einem Menschen auch an einem rabenschwarzen Tag noch das Glück vor die Füße. Der 5. Mai 1966 war so ein Tag für Reinhard Stan Libuda. Damals, als Fans noch Schlachtenbummler hießen, ein harter Schuss eine "Bombe" war - und Borussia Dortmund sensationell als erste deutsche Fußball-Mannschaft einen Europapokal gewann.

106 Minuten gelingt Stan Libuda, einem Mann, der die Knie seines Gegenspielers zu Gummi hexen konnte, gegen den FC Liverpool im maximal halbvollen Glasgower Hampden Park nichts. Er verhakelt sich, hadert, Verteidiger Ron Yeats köpft jede seiner Flanken stur aus dem Strafraum.

Dann aber bricht Sigi Held in der Verlängerung beim Stande von 1:1 durch die Abwehr, er quält sich beinahe hindurch, und er kracht mit Torhüter Tommy Lawrence zusammen, dem der Ball von der Brust prallt - weit, weit, 30 Meter ins Feld hinein. Vor die Füße von: Libuda.

"Wahrscheinlich wäre dat Dingen dann gar nicht reingegangen, wäre der Ball vom Pfosten nicht an den Oberschenkel von Yeats gehoppelt", sagte der damalige BVB-Torhüter Hans Tilkowski. Es war ein Heber ins Geschichtsbuch. Wenig später die Erlösung, die Szene, an die sich Tilkowski am besten erinnert: "Der Schlusspfiff. Ein ganz großer Moment. Für Dortmund. Für Deutschland."

Wer glaubt, die tapferen Außenseiter hätten mit ihrem Pokalsieger-Cup im Arm anschließend die schottischen Bars und Pubs zerlegt, irrt. "Es gab 'ne Flasche Bier im Hotel, vielleicht zwei. Mehr war nicht, denn nicht mal unser Vorstand hatte uns diesen Sieg zugetraut", berichtet Tilkowski. Die Möglichkeit einer Siegesfeier gegen die "Unbezwingbaren" (Liverpool-Trainer Bill Shankly vor dem Spiel) - sie war schlicht nicht vorgesehen.

Sie wird zu Hause nachgeholt. Libuda und all die anderen, Aki Schmidt, Hoppy Kurrat, Lothar Emmerich, sie werden in Dortmund von Hunderttausenden gefeiert: "Schon auffer B1 hat man die Fahnen gesehen!" Die Stadt lädt zum Spargelessen ein.

Bei der WM im Sommer ist Stan Libuda trotz seiner Heldentat nicht dabei. Und Hans Tilkowski? Schon. Er kassiert im hinreißenden Finale gegen England das Wembley-Tor. "Aber das, sagt er, "ist eine ganz andere Geschichte."

(sid)



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